In dem aktuellen Spezial „Forschungswelten: Forschende Fachhochschulen“ des Zeitverlags spricht Louis Henri Seukwa, Professor für Erziehungswissenschaften, über Flüchtlingsprojekte, die Verbesserung von Integrationsangeboten und die Chancen durch Flüchtlinge.

Schlafplätzen, Nahrung und Kleidung: Für Flüchtlinge, die zurzeit nach Hamburg kommen, steht die Versorgung mit dem Nötigsten zunächst an erster Stelle. Ihre weiteren Erfahrungen sind jedoch oft geprägt von Isolation und Perspektivlosigkeit. „Im nächsten Schritt müssen die Menschen in ihrem neuen Wohnort in den Alltag integriert werden. Dabei ist es wichtig, etwas über die Lebenswelt der Geflüchteten zu wissen – denn dieses Wissen fehlt oftmals völlig“, so Prof. Louis Henri Seukwa im Interview des Forschungsspezials des Zeitverlags.

Der Professor für Erziehungswissenschaften an der Fakultät Wirtschaft und Soziales (W&S) arbeitet unter anderem zur erziehungswissenschaftlichen Migrationsforschung. Für das Projekt „Moin Moin Hamburg“ im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts CITISPYCE führte er zusammen mit seinem Team Interviews in Hamburger Flüchtlingsunterkünften. Von Januar bis April 2015 befragten sie Flüchtlinge im Alter von 17 bis 35 Jahren nach ihren Integrationserfahrungen im Alltag.

Demnach haben Flüchtlinge ohne dauerhaftes Bleiberecht kaum die Möglichkeit, Deutschkurse zu besuchen oder eigenes Geld zu verdienen. Das macht es für sie schwierig, ihre freie Zeit zu gestalten, soziale Kontakte aufzubauen und sich in die neue Gesellschaft zu integrieren, zum Beispiel indem sie einem Sportverein beitreten. „Sie fühlen sich zur Passivität gezwungen und sind zermürbt von dem Fehlen von Perspektiven“, sagt Seukwa.

Basierend auf den Gesprächsergebnissen entwickelte das HAW-Projektteam passende Angebote für Flüchtlinge und organisierte Ausflüge zu verschiedenen Hamburger Institutionen und Vereinen. „Dabei ging es darum, der Isolation der Geflüchteten entgegenzutreten und ihnen, ausgehend von den eigenen Wünschen, entsprechende Möglichkeiten der Freizeit- und Alltagsgestaltung aufzuzeigen, Orientierung in der Stadt zu ermöglichen und Schwellenängste abzubauen“, sagt Seukwa. Nicht zuletzt sei es wichtig zu sehen, inwieweit die Anwesenheit von Flüchtlingen auch eine Chance für die Gesellschaft bietet und die Helfer von ihnen lernen können.

Zurzeit werden die Ergebnisse des Projekts „Moin Moin Hamburg“ mit Partnern aus zehn europäischen Großstädten ausgewertet, um Empfehlungen zur Verbesserung der EU-Förderinstrumente in der Jugend- und Migrationspolitik zu formulieren.

Das vollständiges Interview: www.zeit.de/angebote/forschungswelten-forschende-fachhochschulen/interview-migration

Mehr: www.haw-hamburg.de/forschung/projekte-uebersicht/projekt-news/projekt-news-detail/artikel/perspektiven-fuer-fluechtlinge.html

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