Bei bestem Spätsommerwetter verwandelte sich die Kampnagel Kulturfabrik für einen Tag in ein Kaleidoskop der Flüchtlingshilfe. Zur Einstimmung wurden die rund 2.000 Besucherinnen und Besucher sowie alle Mitwirkenden mit syrischer Musik auf der Piazza empfangen.

Von 14 bis 21 Uhr war das Forum am 23. September 2016 der Ort für Austausch und Vernetzung von ehrenamtlich Engagierten, Initiativen und Organisationen der Flüchtlingshilfe und den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Verwaltung und Politik. Auf fünf Bühnen wurden in zehn Veranstaltungen Vorträge gehalten, Themen diskutiert, Initiativen und Organisationen vorgestellt und gezielte Informationen vermittelt.

In vier Erfahrungsaustausch- und Diskussionsrunden wurde engagiert über folgende Themen gesprochen:

  • Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe
  • Aktivierung und Empowerment mit und für Geflüchtete
  • Projektfinanzierung und Fundraising
  • Bedeutung von Normen und Werten in der Flüchtlingshilfe

In den vier Panels stellten der Leiter des Zentralen Koordinierungsstabes Flüchtlinge, Anselm Sprandel; Akteure aus dem Bezirk Bergedorf; die Leiterin des Amts für Arbeit und Integration der BASFI, Petra Lotzkat, und Dr. Jens Schneider vom Institut für Migrationsforschung der Universität Osnabrück Themen vor, die Geflüchtete und ehrenamtlich Engagierte gleichermaßen bewegen:

Anselm Sprandel erläuterte die Situation und die gesetzlichen Regelungen in der öffentlichen Unterbringung und stellte die Projekte „Wohnbrücke Hamburg“ und „Zimmerfrei“ (privater Wohnraum für 16- bis 17-jährige unbegleitete Geflüchtete) vor.

Die zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteure aus Bergedorf erläuterten beispielhaft Wege der Integration von Geflüchteten vor Ort. Als einen zentralen Erfolgsfaktor formulierten sie, dass es entscheidend ist, die migrantische Selbstorganisationen und im Bezirk/vor Ort bekannte Persönlichkeiten an den Projekten als aktive Partner zu beteiligen.

Petra Lotzkat informierte zu Möglichkeiten der Arbeitsmarktintegration für Geflüchtete. Anhand von vier Fallbeispielen wurde von verschiedenen arbeitsmarktlichen Akteuren dargestellt, welche Schritte zu leisten sind, um Menschen in Ausbildung und Arbeit zu bringen.

Dr. Jens Schneider, Universität Osnabrück, ging in seinem Vortrag der Frage nach, was Integration bedeutet, ob Integration messbar ist und wer durch gelungene Integration gewinnt. Er unterschied dabei zwischen der strukturellen, der sozialen und der kulturellen Integration.

Auf der „Bühne der Informationen“ stellten sich im Viertelstunden-Takt acht Initiativen und Einrichtungen vor und gaben einen Einblick in ihre Arbeit.

Auf der Internetseite (http://t.hh.de/6554488) des Forum Flüchtlingshilfe sind alle Einzelveranstaltungen dokumentiert.

Mit 99 „Marktständen“ (http://t.hh.de/6943922) bot der „Markt der Möglichkeiten“ wieder eine sehr breite Palette an Informationsangeboten und war durchgängig lebendiges Zentrum für Gespräch, Vernetzung und Austausch. Besonders hervorzuheben ist, dass sich unter den zahlreichen Flüchtlingshilfeinitiativen nicht nur Initiaven Hamburger Migrantenorganisationen präsentierten, sondern auch erste Initiativen, die von (ehemals) Geflüchteten ins Leben gerufen wurden.

Erstmalig war die Ausstellung „Flucht-Spuren“ (http://t.hh.de/6808370) auf dem Forum für eine größere Öffentlichkeit zugänglich.

Von Oktober 2015 bis Marz 2016 mussten rund 800 geflüchtete Menschen in einer ehemaligen Baumarkthalleleben. In dieser Zeit sind rund 70 Kohlezeichnungen auf achtzig Metern Packpapier entstanden. Eine ergreifende Dokumentation der Geschichten vom Krieg in der Heimat, der gefährlichen Flucht und dem Ankommen in Deutschland.

Im Plenum als dem zentralen Teil der Veranstaltung diskutierten zunächst Julia Freudenberg und Jonathan Petzold vom Bündnis Hamburger Flüchtlingsinitiativen mit Lina Muziani und Hamid Ahmadi, die als ehemalige Geflüchtete schon seit langem in der Hamburger Flüchtlingshilfe aktiv sind. Alle vier kennen die Situation der Menschen, die in Hamburg Zuflucht gesucht haben, zum Teil aus eigener Erfahrung und wissen, welcher Zuspruch und welche Unterstützung am dringendsten gebraucht werden.

Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz bedankte sich bei allen ehrenamtlich Engagierten im Namen der Stadt und auch ganz persönlich. „Es gibt Situationen, in denen kann man entweder das Richtige tun, oder man kann es lassen,“ sagte Olaf Scholz. „Sie gehören zu denen, die das Richtige getan haben.“

Im Weiteren erläuterte er das sogenannte 3+2 Modell (http://www.hamburg.de/yourchance/), dass u.a. Hamburg in das neue Integrationsgesetz eingebracht hat. Das 3+2 Modell sichert Geflüchteten die Aufenthaltserlaubnis für die Zeit einer dreijährigen Ausbildung zuzüglich weiterer zweier Jahre der beruflichen Integration. Außerdem entfällt für drei Jahre im Agenturbezirk Hamburg die Vorrangprüfung, so dass die Arbeitsaufnahme für Geflüchtete ganz wesentlich erleichtert ist.

„Deutschland hat mit der Aufnahme der Flüchtlinge die asylrechtliche Verpflichtung Europas erfüllt und eine humanitäre Katastrophe verhindert“, sagte der Bürgermeister zum Abschluss seiner Ansprache (http://t.hh.de/6993092). „Sie sind diejenigen die dazu beitragen, dass aus den vielen Herausforderungen reale Chancen werden. Ihre Arbeit schafft Zusammenhalt und Stabilität, sie macht unser Gemeinwesen flexibel und stärkt die Offenheit unserer Gesellschaft.“

Dieses Thema wurde von Key-Note Sprecherin Angela Blanchard (President and CEO, Neighborhood Centers. Inc., Houston USA) (http://t.hh.de/7147926) in ihrem packenden Vortrag detailliert aufgegriffen.

Eingangs sprach sie über die vorbildliche Rolle Deutschlands bei der Aufnahme der Geflüchteten. Besonders lobend im Hinblick auf die Hamburger Willkommenskultur sagte Angela Blanchard:

„Der Maßstab einer bedeutenden Stadt richtet sich nicht nach dem: Wer ist dort.
Sondern nach dem: Wer ist willkommen dort.“Zum Abschluss des Plenums sorgte das ImprovisationsTheater Steife Brise noch für einen humorvollen Blick auf das Thema Integration.

Tagged with →  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.